Warum lohnt sich dieser Kurs?
Unternehmerisches Ermessen trifft in Banken und Versicherungen auf dichtere aufsichtsrechtliche Vorgaben. Cyberrisiken, künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit rücken auf die Organebene – und mit ihnen das persönliche Haftungsrisiko von Vorstand und Aufsichtsrat. Wer die Grenzen der Delegation kennt, entscheidet sicherer.Kursüberblick
Wer im Vorstand oder Aufsichtsrat einer Bank oder Versicherung sitzt, entscheidet selten frei. Ausgangspunkt des Seminars ist das Zusammenspiel von Aktiengesetz (AktG), GmbH-Gesetz (GmbHG) und Finanzmarktaufsichtsrecht. Die Teilnehmer*innen klären, wann die Business Judgment Rule (§ 84 Abs 1a AktG, § 25 Abs 1a GmbHG) bei regulatorisch geprägten Entscheidungen trägt.Darauf aufbauend geht es um die Grenzen der Delegation: welche Aufgaben sich über die Ressortverteilung an Compliance, Risk Management und IT übertragen lassen, welche Überwachungspflichten beim Vorstand verbleiben und wann daraus Innen- und Außenhaftung entsteht. Dieselbe Frage stellt sich in Konzern- und Matrixstrukturen, wenn konzernweite Policies auf die Organverantwortung regulierter Tochtergesellschaften treffen.
Mit diesem Blick auf Delegation geht das Seminar die neuen Haftungsfelder an. Beim Digital Operational Resilience Act (DORA) sind das IT-Risiken und Outsourcing, bei der EU-KI-Verordnung (AI Act) die Freigabeprozesse für KI. Die Capital Requirements Directive VI (CRD VI) bringt Environmental-, Social- und Governance-Risiken (ESG) auf die Organebene.
Anhand aktueller Rechtsprechung und Praxisfälle wird greifbar, welche Pflichten bei den Organen verbleiben und wie Dokumentation Haftungsrisiken begrenzt.
Kursinhalte
Organverantwortung zwischen Gesellschaftsrecht und Aufsichtsrecht- Verhältnis von AktG/GmbHG und sektoralem Finanzmarktaufsichtsrecht
- Unternehmerisches Ermessen des Vorstands vs. finanzmarktrechtlich gebundene Entscheidungen
- Business Judgment Rule (§ 84 Abs 1a AktG; § 25 Abs 1a GmbHG) bei Finanzunternehmen
- Bedeutung aufsichtsrechtlicher Vorgaben für Sorgfaltsmaßstab, Informationsgrundlage, Dokumentationspflicht und Entscheidungsprozess
- Ressortverteilung und Gesamtverantwortung des Vorstands | Delegation an Compliance, Risk Management, IT und sonstige Kontrollfunktionen
- Innenhaftung und mögliche Außenhaftung
- Beratungsaufgabe des Aufsichtsrats bei (börsenotierten) Finanzinstituten | Verantwortlichkeit bei Überwachungsdefiziten
- Gesellschaftsinteresse vs Konzerninteresse | Rolle des Aufsichtsrats in Konzern- und Gruppenstrukturen
- Reichweite des unternehmerischen Ermessensspielraums der Organe regulierter Tochterunternehmen
- Governance in Matrixorganisationen | konzernweite Policies und lokale Organverantwortung
- Gruppenweite Compliance-, Risk- und IT-Strukturen
- Informationsrechte und Informationspflichten innerhalb des Konzerns
- Vertraulichkeit, Bankgeheimnis und sonstige Geheimhaltungspflichten
- Eskalation regulatorischer Konflikte innerhalb der Gruppe | Informationsbedarf des Aufsichtsrats und Grenzen der Informationsweitergabe
- Governance-Verantwortung des Management Body nach DORA
- Verantwortlichkeit für IKT-Risikomanagement
- Outsourcing und Drittparteienrisiken | Was kann delegiert werden – und was nicht?
- Informations- und Berichtspflichten gegenüber Vorstand und Aufsichtsrat
- Anforderungen an Entscheidungs- und Kontrollprozesse
- Umgang mit Cybervorfällen und kritischen Ausfällen | Eskalationsentscheidungen und Haftungsrisiken
- Dokumentation als Bestandteil haftungspräventiver Governance
KI-Governance & Organverantwortung - Wer haftet, wenn der Algorithmus entscheidet?
- Einsatz generativer und analytischer KI im Finanzsektor
- Schnittstelle zwischen AI Act, Governance und Organpflichten
- Einsatz von KI in Risikomanagement, Compliance und Kundenprozessen | automatisierte und teilautomatisierte Entscheidungen
- Verantwortungszuordnung zwischen Vorstand, Fachbereich, IT und Anbieter
- Kontroll- und Überwachungspflichten | Anforderungen an Freigabeprozesse für KI-Systeme
- Umgang mit fehlerhaften oder diskriminierenden Ergebnissen | Haftungsfragen bei algorithmischen Fehlentscheidungen
- Bedeutung nachvollziehbarer Entscheidungsprozesse
ESG, Nachhaltigkeit & neue Governance-Pflichten - Welche Nachhaltigkeitsfragen erreichen die Organebene?
- ESG als Bestandteil von Unternehmensleitung und Risikosteuerung
- Nachhaltigkeitsrisiken im Entscheidungsprozess von Vorstand und Aufsichtsrat
- Schnittstellen zu CRD VI und sektoraler Governance
- Aktuelle Entwicklungen bei europäischen Sorgfaltspflichten
- Nachhaltigkeitsinformationen als Entscheidungsgrundlage
- Rolle von Risk Management, Compliance und Aufsichtsrat
- Greenwashing- und Governance-Risiken | Haftungsrelevanz fehlerhafter oder unzureichender ESG-Prozesse
Zielgruppe
- Banken, Versicherungen, Wertpapierunternehmen & Kapitalanlagegesellschaften
- Mitglieder von Vorstand und Geschäftsleitung
- Mitglieder von Aufsichtsräten
- Leiter*innen Legal, Compliance und Governance
- Leiter*innen Risk Management und Internal Audit mit Governance-Verantwortung
- Unternehmensjurist*inen
- Rechtsanwält*innen und Wirtschaftsprüfer*innen mit Schwerpunkt Financial Services und Corporate Governance
