Drohnen im Bauwesen und in der Gebäudeinspektion

ARS Akademie

Interview mit Felix Müller

Wir haben mit unserem Drohnen-Spezialisten und Referenten der ARS Akademie Felix Müller, Chief Operating Officer UAV bei DRONETECH Austria, über den Einsatz von Drohnen in der Gebäudeinspektion und im Bauwesen gesprochen. Das Gespräch gibt Einblicke in die Branche, beleuchtet rechtliche Rahmenbedingungen und interessante Anwendungsbereiche beim Einsatz unbemannter Flugobjekte.

Drohnen auf Baustellen – Anwendung und Vorteile

Welche Anwendungsbereiche für Drohnen sind heute die wichtigsten?

Unser größter Geschäftsbereich ist die Forschung und Problemlösung für industrielle und Staatsunternehmen, wie zum Beispiel ÖBB, ASFiNAG, Landwirtschaftsministerium, Verteidigungsministerium und VOEST. Ansonsten ganz klassisch Vermessung und Inspektion. Weil: Gebaut wird immer, Pläne stimmen ganz oft irgendwo nicht und unsere Daten haben den Vorteil, dass sie alle georeferenziert sind.

Welche Vor- und Nachteile gibt es beim Drohnen-Einsatz im Bauwesen und welche Möglichkeiten zur Optimierung von Arbeitsprozessen ergeben sich im Umgang mit Drohnen am Bau?

Ein Vorteil ist ganz klar, dass man extrem schnell und eigentlich während dem laufenden Betrieb Messungen vornehmen kann.

Man stört nicht, greift nicht ein, behindert nicht. Man kann einfach sehr viele Daten sehr genau aufnehmen.

Auf Baustellen wird immer um Preise gestritten, so rechnet es sich auf jeden Fall ganz genau hinzuschauen und uns dazu zu holen.

Gerade bei Vermessungen ist zum Beispiel die Aushubmenge so ein richtiger Klassiker. Wenn einem Kunden eine Menge an ausgehobener Erde, die abtransportiert und dementsprechend auch nach Menge bezahlt werden muss, etwas viel vorkommt, dann können wir einfach mit der Drohne in einem Raster über das Gelände fliegen und berechnen, wie viel Kubikmeter Erde da wirklich fehlt. Aber nicht nur das: Orthofotos, Übersichtspläne, Wärmebild-Sensorik bei Photovoltaik-Anlagen – es geht einfach, schnell, genau und ist deshalb so beliebt.
Ein weiterer großer Vorteil ist natürlich, dass man gerade im Baugewerbe von großen Höhen und halbfertigen Sachen spricht; dabei ist klar, dass noch kein Maximum an Sicherheit vorhanden ist. Mit einer Drohne kann man viele Tätigkeiten durchführen, ohne Personen zu gefährden.

Als Nachteil würde ich einzig anführen, dass man Drohnen nicht überall gleich anwenden kann, weil zum Beispiel Wien ein vollumfängliches Flugbeschränkungsgebiet ist – sprich ich brauche immer einen Sonderbescheid, wenn ich fliegen will, ganz egal womit.

Und wann ist eine Inspektion mit Drohnen ausreichend?

Eine Drohnen-Inspektion ist da ausreichend, wo eine augenscheinliche Inspektion genügt. Wo man den groben Zustand braucht oder wo es mir um die Menge geht, die ich strukturell erkennen kann oder wo ich einmal überhaupt einen generellen Überblick brauche und sonst gar keine Einsicht habe. Oder zum Beispiel bei PV-Anlagen und Leckortung. Dort kann man durch Thermografie Erwärmungen oder Lecks feststellen. Funktionelle Schäden sind also durch Drohnen mit Wärmebildkameras sogar besser zu erkennen als durch herkömmliche Prozesse.

Rechtliche Aspekte des Drohneneinsatzes

Welche rechtlichen Rahmenbedingungen sind beim Einsatz von Drohnen in Österreich zu beachten?

Prinzipiell regelt das das neue EU Drohnen Regulativ, das mit 2021 final in Kraft getreten ist. Darin gibt es die „Open“-Kategorie, die uns als Dienstleister hauptsächlich betrifft. Hier ist festgelegt bei welchem Drohnengewicht, welcher Drohnenpilot unter welchen Voraussetzungen fliegen darf. Dann gibt es die „Specific“-Kategorie, die beispielsweise für Flüge ab 4 kg im besiedelten Gebiet oder schwerer als 25 kg allgemein gilt – dafür braucht man einen Bescheid von der Luftfahrtbehörde. Für 99 % der Anwendungen sind diese Kategorien ausreichend. Oft gibt es Probleme mit Datenschutzbestimmungen. Das ist zwar nicht eindeutig definiert, aber sobald ich mit hochauflösender Kamera Gesichter oder Nummernschilder zuordnen kann, wird es privatrechtlich problematisch. Lärmbelästigung ist meistens schon ausgeschlossen, weil die Hersteller mittlerweile auf die Lautstärke achten.
Hauptsächlich geht es also um Luftverkehrsbestimmungen und dass man darauf achten muss, Kasernen, Gefängnisse, Flughäfen, militärische Zonen oder Naturschutzgebiete nicht zu überfliegen. Da gehört in der Flugplanung einiges an Zeitaufwand dazu.

Drohnen richtig einsetzen

Welche Qualifikation braucht es, um Drohnen einzusetzen?

Für Hobbyanwendungen reicht im Wesentlichen der A1/A3-Drohnenführerschein. Nähere Informationen findet man unter dronespace.at. Mit schweren Geräten, also für professionelle Dienstleister, gibt es noch die A2-Prüfung, womit man nahe an Personen heranfliegen darf. Diese beinhaltet Meteorologie, technisches Know-how, etc. Ohne diese Prüfung muss man beim Drohnenflug mindestens 30 Meter Abstand einhalten und darf den Abstand nur mit einer bis zu 250 g schweren Drohne unterschreiten.

Welche Modelle eignen sich besonders zur Gebäude-Inspektion? Welche Anforderungen gilt es zu beachten?

Bei Inspektionen in großen Höhen, ist eine besonders leistungsfähige Drohne essenziell – diese sind dann weniger windanfällig und stabiler. Wichtig ist, dass sie ein gutes GPS-Modul haben, damit Bilder geo-referenziert sind.  Sprich die GPS-Positionen und die Flughöhe ist in den Meta-Daten des Bildes hinterlegt. Bei einem Hochhaus mit 100 Stockwerken sollte man die Höhe der Aufnahme schon zuordnen können, sonst ist der Drohnenflug umsonst. Bei einer Inspektion in einer Fußgängerzone ist es von Vorteil ein möglichst kleines Gerät zu verwenden, um nicht alles großräumig absperren zu müssen.

Sie sind seit 2013 aktiv und begutachten Wohnobjekte und Gebäudeschäden mit dem Einsatz von Drohnen. Wie hat sich das Geschäftsmodell entwickelt?

Seit 2013 hat sich einiges getan. Als Pioniere der Branche haben wir das für unser Kerngeschäft genutzt. Unter anderem bespielen wir mit Image-Filmen, klassischen Inspektionen, Vermessungen
und Wärmebild-Inspektionen für Photovoltaik-Anlagen seit 2018 eine eigene Sparte als Drohnen-Dienstleister. Auf unserem YouTube-Kanal „Immotech TV“ findet man Dachflächen- und Wärmebild-Inspektionen. Unsere industriellen Inspektionen umfassen Industrieanlagen, Rohre und Überlandstromleitungen. Wir übernehmen Vermessungen aller Art, vorrangig fotogrammetrisch, bei denen wir aus einzelnen Bildern und deren Bildaufnahme-Positionen errechnen, wo welche Kontrastpunkte im Koordinaten-system sind und daraus 3D-Modelle erstellen.

Drohneneinsatz – ein Blick in die Zukunft

Was sind Ihre Zukunftsvisionen für den Einsatz von Drohnen im Bereich der Gebäudeinspektion und im Bauwesen?

Zum einen ist ganz wichtig: Die Akzeptanz beim Kunden und beim Endverbraucher wächst immer mehr. Zum anderen werden die Daten immer genauer. Je besser die Software-Verarbeitung, desto stromlinienförmiger werden sich die Arbeitsprozesse gestalten. Ich glaube die Baubranche und der Infrastruktur-Sektor werden generell erheblich von den Entwicklungen profitieren, weil sehr viel Zeitaufwand wegfällt. Deshalb ist es wichtig, der jüngeren Generation die Möglichkeiten an Anwendungsbereichen aufzuzeigen.

In welchen anderen Bereichen können Drohnen in Zukunft hilfreich oder gar essenziell werden?

Bei wiederkehrender Zustandsüberwachung/Monitoring, im Bereich Energie-Sicherheit, bei großflächigen Infrastrukturen und Just-In-Time Lieferungssystemen sowie auf Autobahnen mit Emergency-Response-Systemen. Im Drohnentransportsektor, z. B. bei Lieferung von Blutkonserven, Proben, wichtigen Bauteilen oder Organen. Generell kann man viele Lebensbereiche mit dem Einsatz von Drohnen effizienter gestalten. Selbst wir als Profis können nur mutmaßen, welche spannenden Entwicklungen in den nächsten Jahren noch auf uns zu fliegen.

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Der Autor

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Hier schreibt das Team der ARS Akademie.