Texten mit KI: Die Stimme dahinter muss menschlich bleiben
Wer ein Mail öffnet und sofort merkt, dass es eine Maschine geschrieben hat, legt es innerlich zur Seite. Nicht weil der Text schlecht ist, sondern weil er nichts von der Person dahinter zeigt. Karin Steiner spricht es im Seminar klar an: KI-generierte Texte, die es auch sind, signalisieren dem Gegenüber, dass man sich keine Zeit genommen hat. Dabei ist das kein Argument gegen Künstliche Intelligenz. Es ist ein Argument dafür, sie bewusst einzusetzen.
Klarheit vor dem Prompt: Wer nicht weiß, was er will, bekommt Mittelmaß
Je besser man weiß, was man von der KI möchte, desto mehr kann man mit KI herausholen. ChatGPT, Claude und Microsoft Copilot können gut schreiben, aber keines dieser Large Language Models kann für einen denken. Wer einen vagen Prompt eingibt, bekommt einen vagen Text zurück. Wer hingegen mit einer klaren Zielsetzung, dem richtigen Ton und konkreten Anforderungen arbeitet, bemerkt den Unterschied sofort. Bevor der erste Prompt steht, sollten drei Dinge klar sein:
- Für wen ist der Text?
- Was soll er auslösen?
- In welchem Ton soll er klingen?
ChatGPT etwa reagiert sehr direkt auf detaillierte Rollenbeschreibungen im Prompt. Claude punktet bei komplexen Texten mit Argumentation und Nuancierung. Copilot eignet sich besonders gut, wenn Texte direkt in bestehenden Microsoft-Workflows entstehen sollen. Das Werkzeug zu kennen, ist gut. Das eigene Ziel zu kennen, ist besser.
Der Prompt macht's
Geben Sie sich nicht mit Mittelmaß zufrieden
KI als Spiegel: Was hineingeht, kommt heraus
Systeme der generativen KI haben aus menschlichen Texten gelernt und reproduzieren damit auch menschliche Denkmuster und Vorurteile. Beim Texten zeigt sich das besonders deutlich: Wer generische Prompts eingibt, erhält generische Texte. Karin Steiner bezeichnete KI treffend als Resonanzmaschine: Eigene Haltung, Tonalität und Botschaft müssen im Prompt bereits vorhanden sein, damit sie im Text ankommen. KI verstärkt, was ihr gegeben wird. Wer das versteht, schreibt mit KI, nicht durch sie.
Je klarer ich weiß, was ich will, desto mehr kann ich aus KI herausholen.
Karin Steiner
Alle drei Tools, ChatGPT, Claude und Copilot, schreiben überzeugend. Die Sätze sind klar, Absätze sind strukturiert und der Lesefluss stimmt. Genau das ist das Problem. Denn gut formuliert bedeutet nicht, dass der Inhalt stimmt. Karin Steiner hat das treffend formuliert: „KI ist eine Resonanzmaschine. Sie halluziniert, präsentiert Fehlinformationen mit derselben sprachlichen Sicherheit wie belegte Fakten und übernimmt keine inhaltliche Verantwortung.“ Wer einen KI-Text ohne Gegenlesen veröffentlicht, unterschreibt Dinge, die er vielleicht nie gesagt hätte. Vier Fragen helfen beim Qualitätscheck für KI generierte Texte: Ist es rechtens? Ist es richtig? Ist es relevant? Und: Sollten die Informationen, die ich eingegeben habe, wirklich in einem externen System landen? Recherche bleibt unerlässlich. KI-Tools sind Schreibassistenten, keine Redakteure.
Wenn KI schreibt, wer denkt dann noch mit?
Texten mit KI spart Zeit. Textentwürfe entstehen in Sekunden, verschiedene Textvarianten lassen sich auf Knopfdruck generieren, Umformulierungen kosten keinen Aufwand mehr. Doch Karin Steiner stellt die entscheidende Gegenfrage: Wenn Routineaufgaben wegfallen, bleibt dann mehr Raum für das, was KI nicht leisten kann? Kundengespräche führen, Beziehungen aufbauen oder strategisch positionieren sind Aufgaben, die nicht am Schreibtisch beim Prompten entstehen, sondern in den Momenten dazwischen. Gerade im Texten gilt: KI kann einen Rohtext liefern, aber die Haltung dahinter, die Stimme eines Unternehmens, die Empathie im richtigen Moment, das bleibt menschliche Aufgabe. Ein Mail, das offensichtlich von ChatGPT geschrieben wurde, signalisiert dem Empfänger: Ich habe mir keine Zeit für dich genommen. Genau das darf nicht passieren.
KI schreiben lassen, aber die eigene Stimme behalten
ChatGPT, Claude und Copilot werden nicht verschwinden. Die Frage ist, wie man mit ihnen schreibt, ohne dabei die eigene Stimme zu verlieren. Wer KI nur als Textgenerator versteht, produziert austauschbare Inhalte. Wer sie als Sparringspartner nutzt, kann schneller schreiben, gezielter formulieren und trotzdem erkennbar bleiben. Das setzt voraus, dass die eigene Markenpersönlichkeit, der Stil und die Kernbotschaft bereits klar definiert sind. KI kann diese Grundlage nicht erfinden. Sie kann sie jedoch konsequent umsetzen, wenn sie gut instruiert wird. Der souveräne Umgang mit KI-Texten ist damit keine technische, sondern eine kommunikative Kompetenz. Kurz gesagt: Die eigene Stimme lässt sich nicht prompten. Wer das versteht, nutzt KI nicht weniger, sondern gezielter und mit deutlich besseren Ergebnissen.

