Welche Transparenzpflichten der AI Act von Unternehmen verlangt
Mit dem AI Act sind die Compliance-Anforderungen für Unternehmen beim Einsatz künstlicher Intelligenz deutlich gestiegen. Transparenzpflichten und die Kennzeichnung KI-generierter Inhalte rücken damit stärker in den Compliance-Fokus. Compliance-Expertin Andrea Pilecky beleuchtet im Beitrag die zentralen Compliance-Verantwortlichkeiten bei der KI-Nutzung.
Compliance Know-How: AI – Transparenz schafft Vertrauen
Künstliche Intelligenz kann heute Texte, Bilder, Videos oder Stimmen erzeugen, die von menschengemachten Inhalten kaum noch zu unterscheiden sind. Umso wichtiger wird Transparenz im Umgang mit KI: Menschen sollen erkennen können, wenn sie es mit bestimmten KI-generierten oder manipulierten Inhalten zu tun haben.
Genau hier setzt der EU AI Act mit seinen seit 2. August 2026 geltenden Transparenzpflichten an. Betroffen sind insbesondere sogenannte Deepfakes – also KI-generierte oder manipulierte Bild-, Audio- oder Videoinhalte, die authentisch erscheinen können. Auch für bestimmte KI-generierte Texte, die die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren, bestehen Transparenzanforderungen. Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Es braucht Klarheit darüber, wo KI-generierte Inhalte eingesetzt werden und wann eine Kennzeichnung erforderlich ist. Sinnvoll sind daher klare interne Verantwortlichkeiten und Prozesse – von der Erstellung über die Prüfung bis zur Veröffentlichung entsprechender Inhalte. Auch eine angemessene menschliche Kontrolle sollte dabei nicht fehlen.
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KI-Compliance bedeutet weit mehr als die Einhaltung regulatorischer Vorgaben. Es geht auch um Vertrauen und Transparenz. Wir alle möchten schließlich wissen, ob das Bild, der Text oder die Stimme vor uns echt ist – oder ob künstliche Intelligenz ihre Finger im Spiel hatte.
Aus dem Compliance-Werkzeugkasten: Erstellung Dilemma Casebook
„Bei einem Branchentreffen beginnt ein Mitbewerber plötzlich über zukünftige Preise zu sprechen. Wie reagiere ich?“, „Ein langjähriger Lieferant lädt mich zu einer Veranstaltung ein. Darf ich teilnehmen?“ – Compliance wird für Mitarbeitende häufig erst dann greifbar, wenn aus abstrakten Regeln konkrete Situationen werden. Genau hier setzen Dilemma Cases an: kurze Fälle aus dem Unternehmensalltag, in denen Mitarbeitende vor einer Compliance-relevanten Entscheidung stehen.
Ein Dilemma Case beschreibt dabei zunächst eine konkrete Situation und skizziert anschließend, wie damit umgegangen werden sollte und worauf es bei der Entscheidung ankommt. Wichtig ist: Die richtige Antwort sollte nicht immer lauten „Ich mache nichts und frage bei Compliance nach“. Gute Fälle (und Lösungen) stärken vielmehr die Eigenverantwortung und helfen Mitarbeitenden dabei, Risiken selbst zu erkennen und richtig einzuordnen.
Besonders praktisch ist es, solche Fälle laufend zu sammeln und daraus ein eigenes Dilemma Casebook zu erstellen. Stoff dafür gibt es meist genug: Ergebnisse aus der Risikoanalyse, tatsächliche Vorfälle oder wiederkehrende Anfragen an Compliance. Mit der Zeit entsteht so eine Sammlung, die immer wieder für Schulungen, Workshops oder die interne Compliance-Kommunikation eingesetzt werden kann. Darauf aufbauend empfiehlt sich ein moderierter Risikoanalyse-Workshop mit Vertreter*innen verschiedener Unternehmensbereiche. Erfahrungsgemäß hat sich eine Gruppengröße von etwa zehn bis fünfzehn Personen bewährt. So können unterschiedliche Perspektiven eingebracht werden, ohne dass die Diskussion unübersichtlich wird.
Wichtig ist dabei vor allem eines: Die Risikoanalyse ist kein Dokument für die Schublade. Sie bildet die Grundlage für sämtliche weitere Compliance-Maßnahmen und sollte regelmäßig überprüft und aktualisiert werden. Wer hier sauber arbeitet, schafft die Basis für ein wirksames und zielgerichtetes Compliance Management System. Eine Mustervorlage für ein Dilemma Casebook und viele weitere praktische Hilfsmittel gibt es übrigens in „Compliance kompakt – Das Musterhandbuch“ aus dem Linde Verlag. Das Standardwerk erhalten auch alle Teilnehmenden der Ausbildung zum zertifizierten Compliance Officer der ARS Akademie.
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Das Compliance-Netzwerk erweitern.
Perspektive: Rolle von Compliance Officer von Morgen
Compliance hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Längst geht es nicht mehr „nur“ um Geschenke und Einladungen. Neue regulatorische Anforderungen, steigende Erwartungen an Unternehmen und technologische Entwicklungen wie künstliche Intelligenz erweitern das Aufgabenspektrum kontinuierlich – und verändern damit auch die Rolle von Compliance Officer.
Gleichzeitig bleibt eine ganz praktische Frage: Was gehört eigentlich alles zu Compliance – und wofür ist die Compliance-Abteilung konkret verantwortlich? Eine allgemeingültige Antwort gibt es darauf nicht. Unternehmen, Geschäftsmodelle und Risiken sind unterschiedlich und entsprechend individuell muss auch der Umfang eines Compliance Management Systems definiert werden.
Umso spannender ist die Frage, wie sich das Berufsbild weiterentwickeln wird. Welche Themen werden künftig unsere Agenda bestimmen? Welche Kompetenzen werden wichtiger? Und welchen Einfluss wird insbesondere die technologische Entwicklung auf unsere tägliche Arbeit haben? Genau damit beschäftigt sich das European Network for Compliance Officers (ENFCO) in seiner diesjährigen europaweiten Studie „What’s on the Compliance Officers’ Agenda?“. Ab September 2026 können Sie unter enfco.eu teilnehmen und Ihre Perspektive einbringen. Denn wer könnte die Zukunft unseres Berufs besser mitgestalten als die Compliance Community selbst?

