Jahresbilanz Weiterbildung 2026 & die HR-Trends 2027
Das Jahr neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu und es zeigt sich: Weiterbildung stand 2026 sowohl unter Spardruck als auch unter wachsendem Handlungsdruck durch Künstliche Intelligenz. Das belegt unter anderem die TÜV Weiterbildungsstudie 2026, für die 500 deutsche Unternehmen befragt wurden. Für HR-Verantwortliche, die jetzt ihre Weiterbildungsplanung für 2027 aufstellen, liefert die Studie konkrete Ansatzpunkte, um Qualifizierungsbudgets gezielter einzusetzen und Weiterbildungsangebote an den tatsächlichen Bedarf der Belegschaft anzupassen.
Weiterbildung bleibt wichtig, verliert aber an strategischer Verankerung
87 Prozent der befragten Unternehmen halten Weiterbildung von Mitarbeitenden für wichtig oder sehr wichtig. Das ist ein Rückgang von sechs Prozentpunkten gegenüber der Erhebung 2024. Nur 29 Prozent der Unternehmen verfügen über eine schriftlich fixierte Weiterbildungsstrategie. Damit bleibt Qualifizierung in der Mehrheit der Betriebe eine operative statt eine strategische Aufgabe.
Für HR-Abteilungen bedeutet das: Weiterbildung braucht eine dokumentierte Strategie mit klaren Kompetenzzielen, verbindlichen Budgets und definierten Verantwortlichkeiten, um nicht zur variablen Restgröße im Unternehmensbudget zu werden. Zwei Drittel der Unternehmen stellen aktuell bis zu 1.000 Euro Weiterbildungsbudget pro Mitarbeiter*in jährlich bereit, bei drei bis fünf Tagen Freistellung pro Jahr.
KI-Kompetenzen: Der größte Weiterbildungstrend 2026
Der zentrale HR-Trend der Studie ist eindeutig: 56 Prozent der Unternehmen setzen bereits KI-Tools wie ChatGPT, Claude oder Copilot im Arbeitsalltag ein. Gleichzeitig sehen 50 Prozent der Unternehmen einen hohen oder sehr hohen Weiterbildungsbedarf im Bereich Künstliche Intelligenz. Umgesetzt wurde dieser Bedarf bislang aber nur bei rund einem Viertel der Unternehmen (27 Prozent), die ihre Mitarbeitenden bereits konkret zu KI geschult haben – wenngleich sich dieser Wert gegenüber 2024 mehr als verdoppelt hat.
Besonders gefragt ist praxisnahes KI-Know-how: 72 Prozent der Unternehmen mit Weiterbildungsbedarf im KI-Bereich nennen anwendungsnahe Kompetenzen als wichtigstes Ziel, 67 Prozent legen Wert auf grundlegendes Verständnis der Technologie. Nur bei jeder zwanzigsten neu zu besetzenden Stelle wird KI-Kompetenz aktuell vorausgesetzt – ein Hinweis darauf, dass der Qualifizierungsbedarf primär die bestehende Belegschaft betrifft, nicht die Rekrutierung. Formate zum praktischen Umgang mit generativen KI-Tools im Arbeitsalltag sowie Grundlagenseminare zur Funktionsweise von KI treffen damit den aktuell größten Bedarf.
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Future Skills: Soziale Kompetenzen schlagen Technik
Wer über Zukunftskompetenzen spricht, denkt oft zuerst an Technologie. Die Studie zeigt jedoch ein anderes Bild: 88 Prozent der Unternehmen erachten soziale und menschliche Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Kreativität und Teamführung als wichtige Future Skills. Danach folgen technologische und digitale Kompetenzen (70 Prozent) sowie transformative und nachhaltigkeitsbezogene Fähigkeiten wie Innovationskompetenz oder Lernfähigkeit (59 Prozent).
Auch bei den klassischen Weiterbildungsfeldern zeigt sich ein doppelter Bedarf: 54 Prozent der Unternehmen sehen Fortbildungsbedarf bei Führungskompetenzen, etwa Mitarbeiterführung, Teamentwicklung und Konfliktlösung. 56 Prozent nennen digitale Anwendungskompetenzen als wichtigstes Thema, 52 Prozent technische Fachkompetenzen.
HR-Abteilungen sollten ihr Weiterbildungsportfolio bewusst zweigleisig aufstellen: Führungskräfteentwicklung und Soft-Skill-Trainings gleichwertig neben digitale und fachliche Qualifizierung stellen.
Lernformate: Präsenz bleibt Standard, Blended Learning wächst
Präsenzveranstaltungen sind mit 81 Prozent nach wie vor das meistgenutzte Weiterbildungsformat. 71 Prozent der Unternehmen nutzen zusätzlich Online-Formate wie Webinare oder E-Learning, 57 Prozent kombinieren beides im Sinne von Blended Learning. Bei den digitalen Formaten dominieren Webinare und virtuelle Live-Schulungen mit Trainer*innen (91 Prozent der Unternehmen mit Online-Angeboten), während KI-gestützte Lernsysteme mit 15 Prozent noch ein Nischenformat sind.
Ein Formatmix aus Präsenz-Kernmodulen, begleitenden Online-Sessions und Live-Webinaren entspricht der tatsächlichen Nachfrage besser als rein digitale oder rein analoge Angebote.
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Fazit: Drei Prioritäten für die Weiterbildungsplanung 2027
Die TÜV Weiterbildungsstudie 2026 macht deutlich: Der Bedarf an Weiterbildung wurde 2026 erkannt, die Umsetzung hinkte jedoch hinterher, vor allem im Bereich Künstliche Intelligenz. Für die Weiterbildungsplanung 2027 ergeben sich daraus drei klare Prioritäten:
- eine dokumentierte Weiterbildungsstrategie mit verlässlichen Budgets,
- praxisnahe KI-Schulungen für die bestehende Belegschaft, und
- ein Formatmix aus Präsenz-, Online- und Blended-Learning-Angeboten, der sowohl soziale als auch digitale Kompetenzen abdeckt.
Wer diese Lücken jetzt schließt, verschafft sich einen Vorsprung, wenn die Konjunktur wieder anzieht.

