Nachhaltiges Bauen – Profi Fritz Mühlener spricht über Fördermöglichkeiten und rechtliche Vorgaben
Fritz Mühlener ist leidenschaftlicher Praktiker. Einer, der internationale und länderspezifische Richtlinien detailliert im Kopf hat und schnell auf das Komma genau vorrechnet, was nachhaltiges Bauen und Sanieren bringt. Dass das Gespräch mit dem Geschäftsführer des IfEA Institut für Energieausweis in einem ÖGNI-Platin, also nachhaltig zertifizierten Gebäude stattfindet, passt zum Thema.
Wie beeinflussen aktuelle gesetzliche Vorgaben zu Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit die Planung und Ausführung von Bauprojekten in Österreich?
Die Hauptbeeinflussung kommt durch die EU-Gebäude-Richtlinie, die am 25. Mai 2024 in Kraft getreten ist und bis 26. Mai 2026 in nationales Recht umgewandelt werden muss. In Österreich ist das zwischen Bund und Ländern aufgeteilt. Baurecht ist prinzipiell Ländersache. Es gibt aber das OIB, das Österreichische Institut für Bautechnik. Dort werden einheitliche Vorschriften für Themen wie Energieeffizienz, Schallschutz oder Brandschutz erstellt. Das Feuer in Wien ist ja nicht anders als das in Oberösterreich. Das funktioniert relativ gut. Seit August 2025 gibt es nun die OIB-Richtlinie 6, die strengere Anforderungen für energieeffizientes Bauen in Österreich bringen wird. Die Umwandlung auf Landesebene hat wie gesagt bis 26. Mai 2026 zu erfolgen.
Das ist das Gesetzliche. Dann gibt es auch noch die EU-Taxonomie-Verordnung, die als Klassifizierungssystem eine immer größere Rolle spielt. Darin ist definiert, was ökologisch nachhaltig angesehen werden kann. Das heißt konkret, es wird vorgegeben, wie nachhaltiges Bauen in Österreich zu erfolgen hat. Es sind sechs Umweltziele festgehalten, die es zu erfüllen gilt. Zentral ist, dass Banken zukünftig die Nachhaltigkeit des Gebäudes bei der Kreditvergabe berücksichtigen müssen. Erfülle ich die EU-Taxonomie-Kriterien, erhalte ich günstigere Kredite.
Ab wann spricht man von nachhaltigem Bauen – im Unterschied zum konventionellen?
Eigentlich gibt es bei Neubauten nur noch nachhaltige Gebäude. Und ab 2030 gilt der Standard des Null-Emissions-Gebäudes, für öffentliche Gebäude bereits ab 2028. Dabei handelt es sich um eine Normalverschärfung der Anforderungen, die bereits in der OIB-Richtlinie verankert ist. Das bedeutet, dass Gebäude künftig ausschließlich mit erneuerbaren Energiequellen versorgt werden dürfen. Ich habe dann effiziente Fernwärme- und Fernkältesysteme – und der Gesamtstromverbrauch muss aus 100 % erneuerbaren Quellen stammen. Was noch dazugehört, jetzt mache ich einen Sprung zurück: Vor dem Null-Emissionsgebäude haben wir in Zukunft eine PV-Anlagenpflicht. Ein Solargebot. Wenn ich ein neues Haus baue, muss ich eine PV-Anlage installieren.
Für öffentliche Gebäude gibt es eine Nachrüstverpflichtung. Für Nichtwohngebäude nur dann,wenn es eine Änderung im Zusammenhang mit einer Baugenehmigung gibt.
Eigentlich gibt es bei Neubauten nur noch nachhaltige Gebäude.
Dipl.-Wirtsch.-Ing.Friedrich Mühlener
Baurechtsverordnungen
Baurecht auf nationaler und EU-Ebene kennen.
Welche Förderprogramme erleben Sie derzeit als wichtigsten Impulsgeber bei nachhaltigen Bauprojekten?
Es gibt im Moment wieder Förderungen für thermische Sanierung und Heizungsaustausch. An dieser Sanierung führt kein Weg vorbei. Alle Bestandsgebäude, die seit 2000 nicht erneuert wurden, müssen spätestens bis 2040 saniert werden. Für den Heizkesselaustausch ist eine thermische Sanierung empfehlenswert. Für beides beträgt die Förderhöhe aktuell 30 %, plus etwaige Landesförderungen. Das ist eine sehr gute Basis. Freilich, zwischenzeitlich war die Förderhöhe bei 75 % der Investitionskosten gelegen, aber die 30 % waren in den letzten 20 Jahren der Standard – und das wird es auch zukünftig geben. Derzeit ist nicht ersichtlich, dass sich das so schnell ändern wird. Ich würde sagen, die Gelder sind in den nächsten fünf Jahren gesichert. Es braucht eine gewisse Planungssicherheit. Große Hauseigentümer und Bauträger haben längere Vorlaufzeiten. Mit Erschwernissen ist hingegen zu rechnen. Dass ich den Heizkessel oder die Gastherme nur dann austauschen darf, wenn ich vorher Alternativen prüfe– das wird in den nächsten Jahren sicherlich kommen.
Eine thermische Sanierung und ein Heizungstausch haben nur positive Aspekte. Das investierte Geld geht in den Wirtschaftskreislauf. Und anders sind die vorgeschriebenen Ziele ohnehin nicht zu erreichen. Wir müssen den End-Energieverbrauch senken – und das erreicht man am einfachsten durch Umstellung der Heizung auf Wärmepumpe. Um einen markigen Spruch zu bringen: Der Zug für nachhaltige Gebäude, der fährt. Omnibusse beeinflussen die Fahrt des Zuges nicht. Man kann jederzeit einsteigen und davon profitieren. Beim Austausch steht für mich Fernwärme an erster Stelle, an zweiter Stelle die Wärmepumpe, und dann gäbe es noch Pellets, aber dafür haben wir nicht die Energiemenge, würden jetzt alle darauf umsteigen.
Wie funktioniert der Zugang zu Förderprogrammen in Österreich – bezogen auf Zielgruppen, Antragsprozesse, Planungssicherheit?
Die Kommunalkredit Public Consulting (KPC), die in Österreich zentrale Umwelt- und Klimaschutzförderungen entwickelt und managt, macht hier einen ausgezeichneten Job. Es gibt in dem Bereich aber viele gute Dienstleister*innen, die Förderungen abwickeln. Zudem unterstützen Energieversorger wie die Energie AG in Oberösterreich ebenfalls ihre Kund*innen, wenn sie auf eine Wärmepumpe umstellen wollen. Für eine*n Techniker*in ist das Förderprozedere ganz einfach. Für eine*n Nicht-Techniker*in mag es eine Herausforderung sein, aber es schaffen die meisten alleine. Sonst gibt es auch gute Installateur*innen oder eben externe Dienstleister*innen, die helfen. Es sind Informationsblätter online. Man kann im Nachhinein ansuchen, im Privatbereich. Und es gibt nichts, wo man sagt, wenn ich das nicht auf Punkt und Komma mache, verliere ich automatisch den Anspruch. Darüber kann man immer noch sprechen. Außer wenn die Mittel ausgeschöpft sind. Das war im Dezember 2024 der Fall und hat viele vor den Kopf gestoßen. Die standen gerade vor der Einreichung und dann gab es keine Fördermittel mehr. Bei 75 % Rückerstattung der Kosten ist das schon sehr viel Geld. Das kam damals sehr überraschend. Binnen drei Wochen waren viele Millionen Fördermittel plötzlich vergeben.
Eine thermische Sanierung und ein Heizungstausch haben nur positive Aspekte.
Dipl.-Wirtsch.-Ing.Friedrich Mühlener
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Wie wirkt sich der Föderalismus mit neun Bundesländern und potenziell neun unterschiedlichen Landesförderungen aus?
Bei IfEA, dem Institut für Energieausweis, wo ich tätig bin, machen wir in allen neun Bundesländern Energieausweise und bieten unsere Dienstleistungen überall gleichermaßen an. Wir machen ein regelmäßiges Monitoring, wie sich die Förderungen gerade ändern. Das ist durchaus herausfordernd. Wir müssen uns schon immer wieder neu hineindenken.
Wie relevant sind Zertifizierungssysteme wie das der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) bzw. der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI)?
Zur ÖGNI-Zertifizierung, die nichts anderes als die österreichische Variante der DGNB-Zertifizierung ist, gibt es eine kostenlose Alternative: klimaaktiv. Das ist eine Deklaration, die eine vierstufige, klimaaktive Gebäudebewertung durchführt – von der Planung bis zur Nutzung – als nicht-kommerzielles System, aber keine Gebühren dafür verlangt. Damit habe ich dann den Nachweis für ein nachhaltiges Gebäude, inklusive der EU-Taxonomie-Deklaration. Klimaaktiv ist staatlich verankert und wird primär vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie getragen.
Mit PREEM und LEED gibt es noch zwei weitere Zertifizierungssysteme, das erste ist britisch, das zweite US-amerikanisch, die aber beide die EU-Taxonomie noch nicht vollständig übernommen haben. Das Gebäude, in dem wir uns befinden, hat übrigens eine ÖGNI-Platin-Zertifizierung.
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Wie werden diese Zertifikate wirksam?
Bei klimaaktiv kann ich es relativ einfach sagen: Da gibt es Nutzenkriterien für Gebäude. Von der öffentlichen Anbindung über verwendete Materialien bis zur thermischen Hülle. Dichtheitsprüfungen sind vorgegeben, und dass kein PVC verwendet wird, Damit wird ohnehin länger schon nicht geplant, außer im Billigsdorfer-Bau. Das heißt, wird nach den Deklarationen gebaut, dann passt das. Das gilt übrigens nicht nur für den Neubau. Ich kann bei klimaaktiv auch eine Sanierungsdeklaration machen.
Abschließende Frage: Wie vorhin angesprochen, sind Förderprogramme in der Regel mit Laufzeiten verbunden. Wie bleibt man immer aktuell informiert?
Durch Abonnieren des Newsletters der Pöchhacker Innovation Consulting GmbH. Ich empfehle auch im Rahmen der ARS-Seminare immer, mehrfach zu kontrollieren, welche Förderprogramme es gibt. Das erste Mal bei der Idee zum Bauvorhaben. Dann unmittelbar vor der Auftragsvergabe, weil manche Förderanträge schon vorab gestellt werden müssen, und auch nach Baustart schadet es nicht, weiterhin zu schauen, ob sich etwas ändert.

