Für Sie nachgefragt: 3 Expertenblicke auf 2026
Die größten Herausforderungen im Jahr 2026, die vielversprechendsten Lösungsansätze und die drängendsten Weiterbildungsthemen: Wir haben für Sie bei drei Expert*innen nachgefragt. Lesen Sie, was Manuela Lindlbauer (Unternehmerin bei der Lindlpower Group), Richard Melbinger (CEO der ARS Akademie) und Monica Rintersbacher (Geschäftsführerin von Leitbetriebe Austria) für 2026 prognostizieren.
Manuela Lindlbauer
Eigentümerin von Lindlpower & Gründerin & Geschäftsführerin von LP Experts
Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für Unternehmen 2026?
2026 geraten Unternehmen stärker unter wirtschaftlichen Druck und müssen Effizienz- sowie Kosteneinsparungsprogramme umsetzen. Dadurch dreht sich der Arbeitsmarkt wieder spürbar in Richtung Arbeitgebermarkt – dennoch bleiben Mangelberufe bestehen. Der Gap zwischen stark nachgefragten Fachkräften und jenen, die zunehmend Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden, wird deutlich größer. Gehälter werden sich moderat nach unten bewegen.
Gleichzeitig entstehen neue Chancen in Bereichen wie E-Commerce, Cybersecurity sowie in technischen und gewerblichen Berufen. Parallel steigen die Anforderungen durch Digitalisierung und KI, die Rollenprofile und Geschäftsmodelle weiter verändern. Die zentrale Herausforderung wird sein, wirtschaftliche Stabilität, Anpassungsfähigkeit und Arbeitgeberattraktivität gleichzeitig sicherzustellen.
Welche innerbetrieblichen Lösungsansätze sehen Sie?
2026 gilt mehr denn je: Retention ist das neue Recruiting. In Zeiten hoher Unsicherheit müssen Unternehmen ihren Mitarbeiter*innen Stabilität, Orientierung und klare Perspektiven geben. Produktivität entsteht nicht durch Druck, sondern durch Klarheit. „Klarheit vor Harmonie“ bedeutet: ehrliche Kommunikation, konsequente Priorisierung und transparente Entscheidungen. Führungskräfte müssen Unsicherheiten adressieren, statt sie zu übertünchen, und aktiv Lösungen anbieten. Parallel gewinnt Upskilling massiv an Bedeutung. Rollen verändern sich schneller, Kompetenzen müssen laufend nachgezogen werden. KI kann dabei entlasten und Routinen übernehmen, sodass Mitarbeiter*innen mehr Zeit für wertschöpfende Aufgaben haben. Entscheidend ist, KI nicht als Bedrohung, sondern als Entwicklungshebel zu positionieren. Unternehmen, die strukturiert in Qualifizierung, digitale Kompetenz und eine starke Kommunikationskultur investieren, sichern Bindung, Leistung und Zukunftsfähigkeit.
Welche Weiterbildungsthemen ergeben sich daraus?
Weiterbildung wird 2026 zum strategischen Erfolgshebel. Unternehmen sollten in drei Richtungen investieren: Erstens in Digitalkompetenzen und KI-Anwendungsskills für alle Rollen – vom Basiswissen bis zum produktiven Einsatz im Arbeitsalltag. Zweitens in Leadership-Weiterentwicklung, insbesondere in Change-Management, Resilienz, Kommunikation und Führung hybrider Teams. Führungskräfte müssen Transformation steuern und gleichzeitig Orientierung geben. Drittens braucht es Business- und Zukunftskompetenzen wie Problemlösung, kritisches Denken, Innovationsfähigkeit und Kundenorientierung. Lernformate sollten kurz, praxisnah und flexibel sein, damit sie in den Arbeitsalltag integrierbar bleiben. Unternehmen, die Weiterbildung als kontinuierlichen Prozess verstehen, sichern sich Talente, Engagement und Wettbewerbsfähigkeit.
Leadership-Seminare
Entwickeln Sie Skills für eine erfolgreiche Führung.
Richard Melbinger
CEO der ARS Akademie
Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für Unternehmen 2026?
Die Herausforderungen 2026 setzen vieles aus 2025 fort: Geopolitische Unsicherheiten belasten die Wirtschaft, innenpolitisch führen fehlende Visionen und ein strenger Sparkurs zu unklaren Rahmenbedingungen. Gleichzeitig beschleunigen KI-Tools die Digitalisierung, während flexible Arbeitsformen den Generationenwechsel erschweren. Der Wissenstransfer zwischen Baby-Boomern und jüngeren Generationen leidet unter geringerer gemeinsamer Zeit, besonders auch aufgrund von Homeoffice.
Zugleich ermöglichen KI-Lösungen, Teile ausscheidender Fachkräfte digital zu ersetzen – doch der Handlungsdruck steigt, da die Baby-Boomer in den nächsten Jahren rasch vom Arbeitsmarkt verschwinden.
Welche innerbetrieblichen Lösungsansätze sehen Sie?
Sinnvoll sind Strategien, die auf den eigenen Stärken aufbauen. Chancen bestehen vor allem dann, wenn Unternehmen in den vergangenen Jahren Grundlagenarbeit geleistet haben – insbesondere im Wissensmanagement. Ergänzt durch professionelles Prozessmanagement lassen sich neue Mitarbeitende besser integrieren, denn kaum etwas führt schneller zu einem frühzeitigen Offboarding als ein schwaches Onboarding und unklare Erwartungen.
Welche Weiterbildungsthemen ergeben sich daraus?
Relevante Weiterbildungsthemen lassen sich in drei Bereiche gliedern: HR & Management, KI & Digitalisierung sowie Data Governance & Security. Ein starkes HR und eine kompetente Führung begleiten den Generationenwechsel. Für erfolgreiche (Prozess-)Automatisierung braucht es zudem technologische Kompetenz und fundiertes Wissen über Datenqualität, Sicherheit und Integrität.
HR meets KI
Unsere Expert*innen sind sich sicher: Das wird 2026 zum Gamechanger!
Monica Rintersbacher
Geschäftsführerin Leitbetriebe Austria
Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für Unternehmen 2026?
2026 stehen Unternehmen vor der Aufgabe, trotz dynamischer Veränderungen verlässliche und stabile Arbeitsprozesse zu schaffen. Sie müssen eine klare Leistungskultur sicherstellen und Führung bieten, die Orientierung, Halt und konstruktiven Dialog ermöglicht. Flexibilität bleibt gefordert, doch gleichzeitig steigt der Druck, Produktivität und Erwartungen realistisch auszubalancieren.
Welche innerbetrieblichen Lösungsansätze sehen Sie?
Leitbetriebe gestalten den Wandel aktiv mit: Sie fördern verantwortungsvolle Führung, schaffen eine Kultur klarer Leistung und Strukturen, die sowohl Flexibilität als auch Produktivität ermöglichen. Durch eine ausgeglichene Balance zwischen Anforderung und Realität tragen sie zu nachhaltigem Unternehmenserfolg maßgeblich bei – und leisten einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Österreich.
Welche Weiterbildungsthemen ergeben sich daraus?
Um diesen Herausforderungen wirkungsvoll zu begegnen, gewinnen vor allem Weiterbildungen in moderner Führungskompetenz, Change-Management und organisationaler Resilienz an Bedeutung. Zusätzlich sollten Unternehmen in Trainings zu Leistungskultur und Produktivitätsmanagement investieren sowie Kompetenzen in Kommunikation, Konfliktlösung und Dialogführung stärken. Seminare zu New-Work-Modellen, strategischer Personalentwicklung und Zukunftskompetenzen – etwa digitale Transformation, KI-Nutzung und agile Arbeitsformen – unterstützen Führungskräfte und Teams dabei, den Wandel aktiv und erfolgreich zu gestalten.
Kommunikations-Skills
In den Dialog treten und Change-Prozesse initiieren.
ARS Akademie
Referenten
Individuelle Lösungen